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27.09.2017 / Stormarn

Kleinod über den Dächern von Bad Oldesloe

Der alte Friedhof soll schöner werden

Lauschig, grün und etwas vernachlässigt: Der alte Friedhof an der Bahnhofstraße. Das Eingangstor entwarf Alexis de Chateauneuf  Fotos: B. Schücking
Lauschig, grün und etwas vernachlässigt: Der alte Friedhof an der Bahnhofstraße. Das Eingangstor entwarf Alexis de Chateauneuf  Fotos: B. Schücking
Hoch oben auf einem Hügel in Bad Oldesloe liegt eine der schönsten Grünflächen der Kreisstadt, gut zwei Hektar groß: der alte Friedhof. Eine historische Anlage, ursprünglich vollkommen eingerahmt und geschützt von einer Lindenallee. Ein hübsches Katzenkopfpflaster führt von der Bahnhofstraße hinauf zum Eingang, einem schlichten, hohen Backsteintor. Es ist das erste Bauwerk des berühmten Hamburger Architekten Alexis de Chateauneuf und wurde 1824 errichtet. Damals entstand der Friedhof als Ersatz für den Kirchhof der Peter-Paul-Kirche. Außerdem bekamen hier Opfer beider Weltkriege ihre letzte Ruhestätte sowie Gefallene des Deutsch-Französischen Krieges 1871/72.

Ulrike Külper vom Tiefbauamt Bad Oldesloe
Ulrike Külper vom Tiefbauamt Bad Oldesloe
Für sie stellte man in die Mitte des Wegekreuzes der Anlage einen Obelisken als Ehrenmal. Im Ersten Weltkrieg entwarf der Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz eine Rotunde als Gedenkstätte für Soldaten aus der Gegend. Sie wurde 1954 von der „Figur einer Trauernden“ des Bildhauers Richard Kuöhl ergänzt.

Allerdings war schon 1881 auch dieser Friedhof zu klein geworden. Die Kirche übertrug ihn 14 Jahre nach der letzten Grablegung der Stadt. Die wandelte ihn zu einer Parkanlage um. Sie wird geteilt von einem geschlungenen Weg mitten hindurch. Das ursprüngliche, geometrische Wegekreuz ging teilweise verloren. Zwischenzeitlich hausten in manchen alten Grabmonumenten sogar Menschen, doch die Gräber, die das ermöglichten, wurden entfernt.

Beliebter Treffpunkt von Jugendlichen

Der Obelisk wurde in der Mitte des Parks errichtet – zum Gedächtnis an die Gefallenen aus den umliegenden Gemeinden im Krieg gegen Frankreich 1871/72
Der Obelisk wurde in der Mitte des Parks errichtet – zum Gedächtnis an die Gefallenen aus den umliegenden Gemeinden im Krieg gegen Frankreich 1871/72
Inzwischen ist der Park auch ein beliebter Treffpunkt Jugendlicher. Hin und wieder kommt es zu kleinen Saufgelagen, und manchmal ist auch Vandalismus im Spiel: Verbliebene Grabmonumente werden mit Farben besprüht; Plastik, ausgetrunkene und zersplitterte Flaschen und Dosen liegen herum.

„Es besteht Handlungsbedarf“, sagt Ulrike Külper, Diplom-Ingenieurin in der Oldesloer Tiefbauabteilung. Verboten werden soll allerdings niemandem der Zugang zum ehemaligen Friedhof: „Man müsste ihnen nur etwas mehr Respekt vor dem Ort beibringen.“ Das wird leichter, hofft man, wenn der historische Wert der Anlage hervorgehoben und ihre Aufenthaltsqualität verbessert würde. Also muss saniert werden, darüber sind sich interessierte Bürger und Stadtverordnetenvertreter einig.

Die Wünsche sind groß: Man könnte die Wege wieder nach historischem Vorbild gestalten und sie beleuchten. Eine Aussichtsplattform wäre schön, auch Bänke und eine Sichtachse zur Trave hinunter, eventuell mit Treppen. Außerdem gibt es die Idee, einen Teil der heute unvollständigen Lindenallee neu anzupflanzen. Im Prinzip kann die Sanierung auch gefördert werden, sogar das Land würde dafür Geld geben ‒ wenn dann die Stadt die Hälfte der Kosten selber trägt. Und die könnten sich ‒ zunächst schätzungsweise ‒ auf eine Million Euro belaufen. Allein ein Gutachten über den wertvollen Ort kostete angeblich 100.000 Euro, was Unmut schürte.

Die Rotunde, auf deren Innenwand die Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus der Oldesloer Gegend verzeichnet sind
Die Rotunde, auf deren Innenwand die Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus der Oldesloer Gegend verzeichnet sind

Im Juni beschloss der Bau- und Planungsausschuss festzustellen, ob die angedachten Maßnahmen sinnvoll sind. Danach will man eine verlässliche Kostenaufstellung erarbeiten. Wenn alles klappt, könnte der alte Friedhof im Zusammenspiel mit dem nicht weit entfernten Kurpark eine schöne innerstädtische Grünzone bilden. xzy

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