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Sicherer Job hinter Gittern

Justizvollzugsbeamte müssen sich durchsetzen, aber auch zuhören können

Die angehenden Justizvollzugsbeamten Carolin Ladwig und Paul Jazdzewski Heiner Köpcke
Die angehenden Justizvollzugsbeamten Carolin Ladwig und Paul Jazdzewski Heiner Köpcke
YVONNE SCHELLER

Paul Jazdzewski hatte schon erste Schritte hin zu einer Polizei-Laufbahn unternommen, entschied sich dann aber für die Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten als den sichereren Beruf. „Wir gehen zwar mit verurteilten Straftätern um. Doch wir wissen ganz genau, mit wem wir es zu tun haben – im Gegensatz zu Polizisten im Einsatz“, findet der 32-Jährige, der zuvor in der Gastronomie tätig war.

Ein gar nicht untypisches „Vorleben“, denn für die zweijährige Ausbildung ist ein Hauptschulabschluss in Kombination mit einer abgeschlossenen Ausbildung oder ein höherer Schulabschluss mit mindestens vier Jahren Berufstätigkeit Voraussetzung. Auch beim Alter gibt es Vorgaben, aktuell sind Bewerber im Alter zwischen 21 und 39 Jahren gefragt.

Eine Menge Hürden, während Hamburg sich doch gerade durch eine Ausbildungsoffensive um Nachwuchs im Justizvollzug bemüht. Doch die Vorgaben machen Sinn, findet Paul Jazdzewski. „Wir arbeiten hier nicht im Blumenladen. Es ist ein sehr spezieller Beruf, der Lebenserfahrung und einen gefestigten Charakter erfordert.“ Dem stimmt Carolin Ladwig zu. Die 32-Jährige ist zusammen mit Jazdzewski im Herbst 2016 in die Ausbildung gestartet und weiß: Im Umgang mit den Gefangenen ist ein sicheres Auftreten entscheidend. „Wir geben Anweisungen und müssen diese durchsetzen können – auch gegenüber einem zwei Meter großen tätowierten Kraftprotz mit lebenslanger Straßenerfahrung.“

Nicht nur für Männer: Frauenanteil wächst stetig

Eine besondere Herausforderung für sie als Frau? „Nicht mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein“, winkt Carolin Ladwig ab. Zudem seien Frauen eine wertvolle Ergänzung des männlichen Kollegenkreises. „Wir bringen vielleicht einen noch stärkeren kommunikativen und empathischen Ansatz ein.“ Schließlich gilt als oberstes Ziel im Strafvollzug die Resozialisierung. Neben der sicheren Unterbringung, Versorgung und Beaufsichtigung ist die Unterstützung der Inhaftierten eine wesentliche Aufgabe der Justizvollzugsbeamten. Sie sind Ansprechpartner für die Gefangenen, arbeiten an der Schnittstelle zwischen Psychologen, Psychiatern und Ärzten, Rechtsanwälten und Bewährungshelfern. Früher eher eine Männerdomäne, wächst der Frauenanteil inzwischen stetig. „2016 waren es 23 Prozent, und aktuell sind es schon 27 Prozent. Der Beruf des Justizvollzugsbediensteten ist unbedingt auch für Frauen geeignet“, ist Marion Klabunde, Sprecherin der Justizbehörde, überzeugt.

Dennoch raten Carolin und Paul, jeder solle sich vor der Bewerbung intensiv mit der Frage beschäftigen: Bin ich wirklich für den Justizvollzug geeignet? Denn der Umgang etwa mit Mördern und Vergewaltigern lasse sich im Vorwege eben nicht üben. „Wobei die Gefangenen im täglichen Umgang in der Regel ganz normale Menschen sind, mit unterschiedlichsten Gründen, die sie in Haft geführt haben“, erklärt Ladwig. Allerdings seien es eben eingesperrte Menschen, die sich in Haft strikt nach Regeln richten müssen. „Es liegt an uns, diese Regeln so zu vermitteln, dass sie angenommen werden können“, sagt Jazdzewski. Fingerspitzengefühl sei ebenso gefragt wie Vorsicht und ein gesunder Respekt vor der besonderen Situation.

Gab es schon mal brenzlige Situationen? Beide schütteln den Kopf. „Angriffe auf Vollzugsbeamte sind wirklich selten“, sagt Carolin Ladwig. Trotzdem seien sie für alle Eventualitäten ausgebildet. „Wir wissen, wie wir Eigensicherungsmaßnahmen durchführen, vor allemaber, wie wir brenzlige Situationen nicht entstehen lassen.“

Ladwig hat mit ihrer Berufsentscheidung ihrem Leben eine ganz neue Richtung gegeben. Gebürtig aus Mecklenburg-Vorpommern, kam sie mit 16 Jahren nach Hamburg, lernte Zahntechnikerin und war 13 Jahre in ihrem Beruf tätig. „Dann war es Zeit für eine Veränderung“, erklärt sie. „Ich wollte der Gesellschaft etwas zurückgeben und bei Menschen ansetzen, die nicht wie ich eine behütete Kindheit auf dem Lande haben genießen können.“

Klappt das? Laut einer Langzeitstudie im Auftrag des Bundesjustizministeriums werden 48 Prozent aller verurteilten Straftäter rückfällig. „Wenn man in einen Gefangenen viel Energie gesteckt hat, ihn mit einem guten Gefühl entlässt, und er steht drei Monate später wieder vor dir, muss man damit umgehen können“, räumt Paul Jazdzewski ein. Das gehöre auch zum Beruf.

Job-Info

Dauer: zehn Monate Theorie, 14 Monate Praxis in vier Anstalten Voraussetzungen: Selbstsicherheit, psychische Stabilität und Konfliktfähigkeit, Verschiegenheit
Einstiegsgehalt: 1750 Euro Anwärtergrundbetrag, 2400 Euro nach der Ausbildung; www.hamburg.de/justizbehoerde/ausbildungstudium

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