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Leinen los!

Hafenschiffer sind als Allround-Talente auf den Großstadtgewässern unterwegs

Der angehende Hafenschiffer Jonas Weber macht eine Barkasse an den Landungsbrücken fest Heiner Köpcke
Der angehende Hafenschiffer Jonas Weber macht eine Barkasse an den Landungsbrücken fest Heiner Köpcke
CHAN SIDKI-LUNDIUS  

Ahoi! Wann immer seine Zeit es erlaubt, ist Jonas Weber mit seinem kleinen Motorboot auf Hamburgs Gewässern unterwegs. Sein Hobby hat der Freizeitkapitän, der auch gern segelt, windsurfen oder wakeboarden geht, in gewisser Weise zum Beruf gemacht: Jonas wird Hafenschiffer – kein Job für Landratten! Dabei war das ursprünglich gar nicht der Plan des wasseraffinen Hamburgers. „Als ich nach dem Abi auf der Suche nach einem Ausbildungsberuf war, bin ich tatsächlich zufällig über den Hafenschiffer gestolpert. Die Vorstellung, Touristen über die Elbe zu schippern, hat mich zunächst gar nicht angemacht. Aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto mehr hat mir die Idee gefallen“, erzählt Jonas, der im dritten Jahr seiner Ausbildung bei Gregors Hamburg ist.Mit Touristen die Sehenswürdigkeiten im Hafen abzufahren macht dem 21-Jährigen entgegen seinen ursprünglichen Bedenken richtig viel Spaß. „Bei meinen Erklärungen ist schon der eine oder andere Döntje dabei. Wir wollen schließlich, dass die Leute Hamburg in guter Erinnerung behalten“, erzählt Jonas.

Eine wichtige Aufgabe der Hafenschiffer ist natürlich das Steuern der Schiffe. Hierfür braucht es ein sehr gutes Augenmaß, schließlich soll nichts beschädigt werden. Jonas hat zwar schon seinen Sportbootführerschein gemacht, aber eigenständig führen darf er die fünf Barkassen und das Fahrgastschiff seines Unternehmens derzeit noch nicht. Daran wird er im dritten Ausbildungsjahr allmählich herangeführt. Die Berechtigung, sein Hafenpatent zu machen und damit Schiffe im Hafen führen zu dürfen, erhält er mit Abschluss der Ausbildung.

Nach der Ausbildung Nautik studieren

An Bord bedienen Hafenschiffer Geräte wie den Sprechfunk und die Navigationsinstrumente – und, sofern sie die Fachrichtung Touristik einschlagen, auch Gäste. Natürlich müssen die Schiffe in Schuss gehalten werden. „Klarmachen“ nennt Jonas es, wenn zum Beispiel die Maschinen und der Bunker, also der Treibstoff, gecheckt werden. Außerdem gilt es, das Deck und den Motorraum immer schön sauber zu halten, darauf zu achten, dass nirgends Rost ansetzt, oder die Taue zu pflegen. Und wenn mal etwas kaputtgeht, dann schnappen sich Hafenschiffer den Werkzeugkasten und übernehmen einige Reparaturarbeiten selbst. Eine weitere Aufgabe: Schiffe festmachen, wobei stets die richtige Leinenführung zu beachten ist. Schlussendlich schleppen Hafenschiffer mit ihren Booten zum Beispiel Schuten und Leichter: Das sind flache Schiffe, die für den Gütertransport eingesetzt werden. Überdies wirken sie beim Laden und Löschen (Entladen) von Ladung mit.

In der Berufsschule, das ist die Staatliche Gewerbeschule Werft und Hafen (G 7), bekommen die angehenden Hafenschiffer die theoretischen Grundlagen vermittelt. „Echt locker“ findet Jonas die Berufsschule, obwohl es wahnsinnigviel zu lernen gebe. Weniger locker ist es derzeit an den Landungsbrücken, wo die Schiffe von Gregors liegen. „Im Sommer, wenn die Touristen da sind, gibt es natürlich besonders viel zu tun“, sagt der Azubi. Nach dem Ende seiner Ausbildung will er auf alle Fälle weiter dabeibleiben, später dann vielleicht Nautik studieren, um eines Tages auf große Fahrt zu gehen.

Ausbildungen zum Hafenschiffer bieten in Hamburg unter anderem die Barkassen-Centrale Ehlers, die Hamburg Port Authority, Hadag und Barkassen-Meyer an. Hamburg Lines Men, Deutschlands größtes Schiffsbefestiger-Unternehmen, bildet ebenfalls aus – und zwar mit dem Schwerpunkt Festmacherei. Ihre Aufgabe besteht darin, Schiffen von Land aus beim Festmachen behilflich zu sein. Verschiedene Anlagen im Hamburger Hafen erfordern den Einsatz von speziellen Festmacherbooten. Die sogenannte Leinenwache gehört zum Aufgabengebiet eines Schiffsbefestigers. Wegen der Tide (Ebbe und Flut) im Hafen müssen bei der Leinenwache die Tampen lose gegeben oder gekürzt werden.

Typischerweise erledigt der Schiffsbefestiger diesen Job auf dem Kai, dem Dalben oder an Bord eines Festmacherbootes. Von Bord aus wird ihm für die Festmacherleine eine Wurfleine zugeworfen, die mit einer „Affenfaust“ beschwert ist, damit sie weit genug fliegt. Mit der Wurfleine zieht der Schiffsbefestiger eine Pollerschlinge, das sogenannte „Auge“ der Festmacherleine, zu sich heran und legt es über den Poller. Danach ist es Sache der Schiffsbesatzung, die Festmacherleine mit einer Winde oder einem Spill steif zu holen. „Aufgrund der Marktlage besteht ein hoher Bedarf an Fachkräften“, sagt Betriebsleiter Florian Heeckt. „Bei uns gibt es sehr gute Übernahmechancen.“ Bewerbungen für das nächste Jahr seien herzlich willkommen.

Job-Info

Dauer: 3 Jahre
Voraussetzungen: meist guter Hauptschulabschluss, technisches Interesse, Wetterfestigkeit, kommunikative Fähigkeiten, teils gute Englischkenntnisse
Vergütung: 685 bis 975 Euro
Einstiegsgehalt: zwischen 2100 und 2400 Euro
Kontakt: www.hafenkarriere.de

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