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Immobilien 10/2019

Immer mit der Ruhe

Neubauten sind rar, deshalb suchen immer mehr Familien Häuser im Bestand. Dabei wird der Immobilienkauf zunehmend zur Bieter-Rallye: Wer am schnellsten das höchste Gebot abliefert, bekommt den Zuschlag.

VILLA KUNTERBUNT: Wer eine Bestandsimmobilie erwirbt, sollte auch unter Zeitdruck besonnen planen. Foto: Fotolia/ArTo
VILLA KUNTERBUNT: Wer eine Bestandsimmobilie erwirbt, sollte auch unter Zeitdruck besonnen planen. Foto: Fotolia/ArTo
Eine Entwicklung, die zu fatalen Entscheidungen führen kann: „Aus Sorge, leer auszugehen, kaufen viele Interessenten Immobilien, ohne sie vorher gründlich zu prüfen“, sagt Frank Gries, Sachverständiger im Verband Privater Bauherren (VPB).

Gezielt besichtigen

Wo die Nachfrage das Angebot so eklatant übersteigt wie aktuell in gesuchten Lagen, können sich Kaufinteressenten offenbar nicht mehr ausreichend Zeit lassen und ein Objekt in Ruhe mehrfach und auch mit einem eigenen Sachverständigen besichtigen. Doch müssen sie jetzt tatsächlich die Katze im Sack kaufen? „Nein“, beruhigt Gries, „es gibt eine ganze Menge, was Kaufwillige im Vorfeld klären können, um notfalls auch eine schnelle Entscheidung treffen zu können.“ Hilfreich kann dabei auch der neue VPB-Ratgeber „Gute Vorbereitung – Schnelle Kaufentscheidung“ sein, der auf der VPB-Website heruntergeladen werden kann.
  
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Wichtig ist, was Kaufinteressenten schon vor der ersten Besichtigung prüfen und entscheiden sollten. Das beginnt bei der Klärung der eigenen Wohnbedürfnisse. „Wer sich darüber im Klaren ist, wo er leben will, wie viel Räume er benötigt und wo das finanzielle Limit liegt, kann anhand seiner individuellen Checkliste Besichtigungen passender Objekte vereinbaren und unpassende Offerten von vornherein ausschließen“, erklärt Gries. Haben Haus oder Wohnung beispielsweise zu wenig Zimmer oder liegen in der falschen Gegend, dann erübrigt sich eine Besichtigung von vornherein. „Wer gezielt besichtigt, spart Zeit und Nerven und gerät gar nicht erst in Versuchung, sich um ein unpassendes Objekt zu bemühen“, weiß der Sachverständige.

Vorab kalkulieren

Im Vorfeld gründlich durchrechnen sollten Kaufinteressenten die Finanzierung. Zum aufgerufenen Kaufpreis kommen immer noch die Nebenkosten, die sich nach dem Verkaufspreis richten und vorab kalkulieren lassen. Außerdem muss meist renoviert und umgebaut werden. Wer sich an Bieterverfahren beteiligen will, muss sein Limit und die voraussichtlichen Kosten kennen, sonst bietet er vielleicht zu viel. Die VPB-Experten raten, im Vorfeld eines Kaufs immer auch das Bauamt aufzusuchen, um zu klären, ob es einen Bebauungsplan für das Gebiet gibt und ob der eventuell geplante Anbauten und Aufstockungen überhaupt erlaubt.

Baurecht beachten

Ebenso wichtig ist der Blick ins Grundbuch. Er bringt Klarheit über die Besitzverhältnisse und Lasten, die auf dem Grundstück liegen. Wohn- und Wegerechte beispielsweise können den Wert einer Immobilie erheblich beeinträchtigen. Wichtig ist immer auch, ob das Haus in seiner heutigen Form überhaupt baurechtlich genehmigt ist. Die Frage lautet also: Liegen alle Pläne vor?

Nachbarn besuchen

Als informativ erweist sich oft auch der Besuch bei den zukünftigen Nachbarn. Sie kennen die Gegend und das Anwesen, wissen zum Beispiel, ob kürzlich im Objekt Wasser im Keller stand, das Dach neu gedeckt wurde, große Baumwurzeln den Kanal gefährden oder auch, was sich in der Nachbarschaft tut. Wann etwa die geplante Umgehungsstraße gebaut wird oder der Großmarkt, der dann in zwei Jahren auch für morgendlichen Verkehrslärm sorgt.

Wer sich im Vorfeld schon gezielt über ein Objekt und die Wohngegend informiert, kann sich bei der tatsächlichen Besichtigung dann ganz auf den Bau konzentrieren. Gemeinsam mit dem Sachverständigen können die Kaufinteressenten schon konkret über Sanierungs- und Umbaumaßnahmen und deren Kosten sprechen. Am Ende steht eine realistische Einschätzung des Objekts. Und die ermöglicht eine schnelle Entscheidung für oder auch gegen einen Kauf.

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