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Themenwelten Bergedorf
Wer durch Lübecks schöne Altstadtgassen schlendert, den weht nicht nur der Hauch der Geschichte an, sondern auch eine frische Brise von der nahen Ostsee

Altstadtinsel und Ostseestrand

Spannende Einblicke in Lübecks verborgene Winkel und Geschichte liefern geführte Rundgänge

Verbunden mit dem Meer ist Lübeck durch die Trave, welche die Altstadtinsel umfließt. Die in deren Hafen dümpelnden Traditionsschiffe verleihen ihr ein maritimes Flair. Sie wie auch die zwischen 1579 und 1745 im Stil der Backsteinrenaissance an der Obertrave erbauten Lagerhäuser erinnern an die große Bedeutung der Seefahrt und des Handels für Lübecks Aufstieg zur wohlhabenden Hansestadt. In ihnen wurde einst das kostbare Salz gelagert, nachdem es mühsam auf Fuhrwerken und Lastkähnen von den Salinen in Lüneburg und Oldesloe herbeigeschafft worden war, um später weiter nach Skandinavien verschifft zu werden.

Handel mit weißem Gold

Das „weiße Gold“ war bei den Nordländern sehr begehrt, diente es ihnen doch zum Konservieren des in Massen gefangenen Fischs. Ein großer Teil davon kam wiederum in Fässern zurück nach Lübeck, von wo er dann als Fastenspeise weiter ins Binnenland ging. Die Salzspeicher stehen an Lübecks ältester Brücke, die im Mittelalter den Binnen- und den Seehafen verband. Den Zugang zur Ostsee sicherte Lübeck sich 1329 durch den Erwerb Travemündes. Dass der Handel mit Salz und Hering für Lübeck ein einträgliches Geschäft war, sieht man der einstigen „Königin der Hanse“ und ihren vielen prachtvollen Gebäuden bis heute an. Rund 1800 denkmalgeschützte Bauwerke hat die in weiten Teilen zum UNESCO-Welterbe erklärte Lübecker Altstadt, deren Silhouette die sieben Kirchtürme von fünf gotischen Backsteinkirchen prägen. Informationen zur Entwicklung der 1143 gegründeten Stadt erhält man in der Ausstellung „Die Macht des Handels“ im Museum für Stadtgeschichte. Das befindet sich hinter den dicken Mauern des Holstentors, dem unübersehbaren Wahrzeichen Lübecks.

Literaten und ihr Lübeck

Wer wissen möchte, wie ein solches Wahrzeichen auch schmecken kann, muss nur ein paar Schritte weiter zu Niederegger gehen: dort gibt es das zum Reinbeißen. Aber im Niederegger-Stammhaus kann man nicht nur diese und andere süße Köstlichkeiten kaufen und gleich im Café probieren, sondern auch – im Marzipan-Museum – alles über den ganz besonderen Rohstoff und seinen Hersteller erfahren. Ein echter Hingucker sind die dort ausgestellten zwölf lebensgroßen historischen Persönlichkeiten, unter ihnen Literaturpreisträger Thomas Mann, der Lübeck mit seinem Roman „Buddenbrooks“ ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Im Buddenbrookhaus, nach dem Werk benannt, kann man eine Menge über seinen Autor und dessen berühmte Familie erfahren. Zurzeit wird das Museum umfassend erneuert, so ist man vorübergehend ins Stadtpalais Behnhaus gezogen. Ein weiterer eng mit Lübeck verbundener Literaturnobelpreisträger ist Günter Grass. Er lebte ab 1987 nahe der Stadt. Ihm und seinem vielseitigen Werk gewidmet ist das Günter Grass-Haus In dessen Eingangsbereich gibt es übrigens einen altertümlichen Kolonialwarenladen zu bestaunen, der an das Geschäft von Grass‘ Eltern in Danzig und seinen Roman „Die Blechtrommel“ erinnert.

Komm in die Gänge

Eine Besonderheit der Lübecker Altstadt sind die 90 Höfe und bewohnten Gänge, die sich hinter schmucken Vorderhäusern verbergen. Viele von ihnen sind zugänglich und laden ein zu einer Reise ins Mittelalter. Entstanden sind diese Anlagen ab dem 14. Jahrhundert aufgrund von Platznot. Denn Wohnraum war damals innerhalb der Stadtmauern äußerst knapp und so begann man, winzige Buden – zunächst aus Holz, später aus Backstein – rückwärts der Stadthäuser zu errichten. Hier lebten dicht gedrängt vor allem Tagelöhner und Bedienstete mit ihren Familien. Heute haben sich die Ganghäuser in begehrte Wohnquartiere verwandelt. Am besten lernt man das verwinkelte, labyrinthartige Gängesystem bei einer Führung kennen.

Infos: www.luebeck-tourismus.de

Filmkunst für alle

Der Herbst ist eine Zeit, in der man besonders gerne mit Freunden einen guten Film im Kino anschaut – Zeit für die Nordischen Filmtage. Bereits zum 64. Mal ist die Filmbranche aus dem Norden und Nordosten Europas zu Gast in Lübeck. Vom 2. bis zum 6. November präsentiert man mehr als 170 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus Dänemark, Estland, Finnland, Island, Lettland, Litauen, Norwegen und Schweden. Und es geht auch um das filmische Schaffen in Norddeutschland. Ein Großteil des Programms steht dem deutschen Publikum als Stream zur Verfügung. Mit dabei sind auch ein umfangreiches Kinder- und Jugendfilmprogramm sowie eine Retrospektive, die wichtigen Epochen, bestimmten Genres oder bedeutenden Persönlichkeiten der Filmgeschichte gewidmet ist. Interessierte sind auch bei den begleitenden Seminaren, in Gesprächsrunden sowie auf Konzerten willkommen. Zahlreiche Regisseur/innen haben seit den ersten Filmtagen 1956 in Lübeck ihr Debütwerk vorgestellt, unter ihnen so bekannte Künstler wie Bille August, Lasse Hallström, Aki Kaurismäki, Fridrik Thór Fridriksson oder Sara Johnsen.

Das vollständige Programm der 64. Nordischen Filmtage und weitere Informationen gibt es unter www.nordische-filmtage.de
  

Mittelalterliche „Geschäfte“

Grafiken: gettyImages
Grafiken: gettyImages

Mitten in der Lübecker Innenstadt wurden bei Grabungen rund 100 aus dem Mittelalter stammende Latrinen freigelegt. Damals waren über mehreren tiefen Gräben Toilettenhäuschen errichtet worden, in denen man auf einem Holzgestell saß, um seine Notdurft zu verrichten. Nun sind die Hinterlassenschaften aus längst vergangener Zeit für Archäologen von großem Interesse. Sie verraten nämlich eine Menge über das Alltagsleben und insbesondere über die Ernährungsgewohnheiten im mittelalterlichen Lübeck. Die Forscher entdeckten zum Beispiel anhand von im Magen-Darm-Trakt vorkommenden Parasiten-Eiern, dass die Lübecker Kaufleute Mitte des 14. Jahrhunderts ihre Ernährung von rohem Fisch auf rohes Rindfleisch umstellten. Auch sonst erwiesen sich die Kloaken als wahre Fundgruben, so brachten sie etwa gut konservierte Leder- und Textilreste sowie Holz- und Keramikgefäße zu Tage.


Gemeinsame Anreise lohnt sich

Wer von Hamburg und Umgebung nach Lübeck möchte, reist am besten staufrei, umweltfreundlich und günstig mit der Bahn. Im Halbstundentakt fährt der Regionalexpress in rund einer Dreiviertelstunde von einer Hansestadt in die andere. Mit dem Schleswig-Holstein-Ticket, das in allen Nahverkehrszügen und für die jeweiligen Verkehrsverbünde gilt, reisen 5 Personen gemeinsam ganztägig im Geltungsbereich für jeweils 8,80 Euro. Bis zu 3 Kinder von 6 bis einschließlich 14 Jahren fahren in Begleitung kostenlos mit. Reisen nur zwei Erwachsene, zahlen sie zusammen 32 Euro. www.laenderticket.de/schleswig-holstein-ticket

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