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Ein kleines Stück Land im Süden Hamburgs – für die Klienten vom tagewerk.alsterpalette der alsterdorf assistenz west etwas ganz Besonderes: Aus einem wild wuchernden Brennnesselfeld haben sie mit viel Engagement, Fleiß und Begeisterung gemeinsam ein eigenes Fleckchen Erde geschaffen.

Noch viel Freifläche auf dem tagewerk.alsterpalette-Acker der Möglichkeiten

Der Mais ist reif: Jede Frucht wird per Hand geerntet. Fotos: aawest

Es begann vor drei Jahren. Damals machte man sich daran, eine ehemalige Weide zu einer nutzbaren Arbeits- und Ackerfläche herzurichten. Thomas Pridöhl, Assistenzteamleiter im tagewerk.alsterpalette, erläutert, wie die Idee entstanden ist: „Wir wollen raus aus der ‚Sondereinrichtung’, hinein in die ganz normale Gesellschaft. Es ist unser Anliegen, in Kooperation mit anderen Akteuren sinnvolle Beschäftigung für Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen, insbesondere mit herausforderndem Verhalten, anzubieten.“
      

Berufsförderungswerk Hamburg

Da schien das Projekt „Inklusiver Acker“ mit der entschleunigenden Wirkung, die Naturerfahrungen mit sich bringen, perfekt geeignet. Das Projekt bietet vielfältige Möglichkeiten, sich zu beschäftigen und wird unterschiedlichen Neigungen und Persönlichkeiten gerecht. Es gibt Arbeiten, die unmittelbar mit dem Anbau von landwirtschaftlichen Produkten zusammenhängen: Keimlinge setzen, Jäten, Gießen – und am Ende voller Stolz ernten. Der Ertrag an Früchten ist inzwischen so reichlich, dass die Gruppe angefangen hat, Gemüsekisten zu packen und an Kunden auszuliefern. Doch wenn nicht gerade Corona ist, wandert auch vieles direkt in die eigenen Kochtöpfe für die gemeinsamen Mahlzeiten. Und dann ist da noch die Produktion von Kaminholz. Auch da hat sich das tagewerk.alsterpalette im Laufe der Zeit einen großen Kundenstamm aufgebaut. Daneben fallen dann auch noch komplexe handwerkliche Arbeiten an. Thomas Pridöhl: „Jeder hat hier die Chance, seine Fähigkeiten und Potenziale zu entfalten. Es lässt sich eindeutig feststellen, dass der inklusive Acker bei allen Teilnehmenden – übrigens auch den Mitarbeitenden – ein sichtbares Wohlgefühl erzeugt.“

Dörfliches Umfeld zur Erprobung von Sozialkontakten

„Ein Teil unserer Beschäftigten lebt in schwierigen Lebensverhältnissen“, so Thomas Pridöhl weiter. „In einigen Fällen ist eine angemessene Teilhabe am sozialen Leben außerhalb von Familie oder Wohneinrichtung aufgrund des herausfordernden Verhaltens schwer möglich. Auf dem Acker haben alle Licht und Luft, sinnvolle Beschäftigung, wachsende Naturgüter und ein dörfliches Umfeld zur Erprobung von Sozialkontakten.“ Das Acker-Projekt sei im Laufe der Zeit für alle zu einem festen und geliebten Teil ihres Lebens geworden. „Unsere Mitarbeitenden profitieren auch in professioneller Hinsicht, denn die Arbeit bietet eine Erfüllung ihres pädagogischen Anspruchs, die positive Verhaltensentwicklung und die Entfaltung der Potenziale der Beschäftigten zu begleiten“, sagt Thomas Pridöhl. Nicht sprechende Beschäftigte würden mit Mitteln der unterstützten Kommunikation, zum Beispiel mit Piktogrammen oder konkretem Anschauungsmaterial, eingebunden.
     

Die Reifen ins Körbchen, auch der Brokkoli hat sich prächtig entwickelt.
Die Reifen ins Körbchen, auch der Brokkoli hat sich prächtig entwickelt.

Es ist auch eine Kooperation mit dem „Kinderhaus in Wittorf“, einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung, gelungen. Dessen „Schulverweigerer“ gestalten jetzt den inklusiven Acker mit. Auch ergeben sich immer wieder schöne Momente mit Spaziergängern, und die Belegschaft des örtlichen Supermarkes gehört inzwischen zum Freundeskreis. Und nicht zu vergessen die Kunden, die mit den frisch gepackten Gemüsekisten beliefert werden. Und was ist mit Corona? Da zeigt sich besonders, wie wertvoll der externe Arbeitsraum „Acker“ ist. Die Tagesförderstätte hat wegen Corona schließen müssen, aber draußen auf dem Acker an der frischen Luft hat man unter Auflagen weiterarbeiten können.

Prinzip Personenzentrierung

Bei alsterdorf assistenz west ist die Personenzentrierung erklärtes Prinzip: Die persönlichen Assistenten führen gemeinsam mit den Klienten, mit deren Willen im Mittelpunkt, die sogenannte „ressourcenorientierte Assistenzplanung“ durch. In Fotos: aawest vielen Einzelschritten wird geklärt, wie die Klienten ihr Leben gestalten möchten und was sie erreichen wollen. Dazu gehören auch alle die Beschäftigung und die berufliche Bildung betreffenden Fragen. Dafür wurde ein Konzept in leichter Sprache entwickelt, um die Klienten zu motivieren, über sich selbst nachzudenken: Welche Lebensgeschichte und Persönlichkeit bringe ich mit? Welches sind meine Vorlieben und Fähigkeiten, was meine Wünsche für die Zukunft? Gemeinsam wird dann ein Beschäftigungsplan erarbeitet und umgesetzt. Nach einer Erprobungsphase folgt die Überprüfung: Wurden die gewünschten Ziele erreicht? Wo muss noch nachgebessert werden?

An unterschiedlichen Hamburger Standorten bietet die alsterdorf assistenz west in ihren Tagewerken eine Vielzahl sogenannter Qualifizierungsbausteine an, mit denen sich Beschäftigte fortbilden können. Das reicht von handwerklichen Tätigkeiten wie Nähen über Hauswirtschaft mit Kochen, Einkaufen oder Wäschepflege bis zur Gartenpflege oder Tätigkeiten im Büro. Im Rahmen des Projektes „Inklusiver Acker“ sind Qualifizierungsbausteine zu den Themen Kochen, Garten- und Landschaftspflege und Holzarbeit relevant.

Auf die Frage, was er sich zukünftig noch für die Beschäftigten in den Tagesförderstätten wünscht, antwortet Thomas Pridöhl: „Dass auch komplex beeinträchtigten Menschen mit herausforderndem Verhalten gesellschaftliche Teilhabe und berufliche Qualifizierung ermöglicht wird. Auf dem Acker der Möglichkeiten ist meiner Ansicht nach noch viel Freifläche zum Bestellen.“ aawest/Christiane Morich

Infos:
Alsterdorf assistenz west: www.alsterdorf-assistenz-west.de
Tagewerk.alsterpalette: www.alsterdorf-assistenz-west.de/assistenz/bildung-undbeschaeftigung/tagewerke/harburg-tagewerkalsterpalette

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