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Einrichten & Wohnen

Architektin Elinor Schües: Wie im Keller ein zusätzliches Zimmer gewonnen wird

Dämmung der Wände gegen Kälte und Feuchtigkeit ist sehr wichtig

Ein nachträglich eingefügtes Fenster sorgt im Kellerraum für mehr Wohnlichkeit. Foto: Linzmeier Bauelemente GmbH
Ein nachträglich eingefügtes Fenster sorgt im Kellerraum für mehr Wohnlichkeit. Foto: Linzmeier Bauelemente GmbH
Susanne Speckter

Bei zunehmend steigenden Grundstückspreisen soll meist jeder Quadratmeter eines Hauses optimal genutzt werden. Da ist es bei Platzmangel oft günstiger, den Keller zu einem weiteren Wohnraum – beispielsweise als Arbeitszimmer oder Jugendzimmer – auszubauen, statt umzuziehen.

Allerdings sind nicht nur bauliche, sondern auch rechtliche Voraussetzungen zu beachten. Soll der Raum offiziell als Wohnraum ausgewiesen und damit gegebenenfalls vermietet werden können, gibt die jeweilige Landesbauordnung gewisse Standards vor. In Hamburg ist eine Raumhöhe von der Oberkante Fertigfußboden bis zur unterkante Fertigdecke mit mindestens 230 cm nachzuweisen. Zudem muss der Raum ausreichend belüftet und mit Tageslicht versorgt sein. Auch Fluchtwege und angemessener Brandschutz sind nachzuweisen. Zudem ist der Keller als Wohnfläche genehmigungspflichtig. Eigenheimbesitzer haben es da leichter: Für die Umwandlung eines Kellerraums in ein Arbeits- oder Kinderzimmer ist keine Baugenehmigung nötig.

Je nach alter des Hauses sind die baulichen Gegebenheiten entscheidend, sowohl für den Umfang der arbeiten als auch für die Kosten des Ausbaus. In Häusern aus dem frühen 20. Jahrhundert beispielsweise diente der Keller lediglich als kühler Lagerraum für Lebensmittel und Kohlen. Klar, dass dieser Wand- und Bodenaufbau sich von dem eines modernen Hauses unterscheidet. Bei Häusern, die bis in die 1970er-Jahre gebaut wurden, gab es meist kein Bewusstsein für eine umfassende Kellerabdichtung. Die naturgemäß feuchte Erde, die das Kellergeschoss umgibt, lässt bei Häusern dieser Bauzeit häufig die Feuchtigkeit in das unzureichend gedämmte Mauerwerk dringen.

„Grundvoraussetzung für die Nutzung des Kellers als Aufenthaltsraum ist ein gesundes Raumklima. Deshalb sind eine fachgerechte Wärmedämmung, professionelle Feuchtigkeitsabsperrung in den Wänden und am Boden sowie ausreichenden Lüftungsmöglichkeiten besonderes Augenmerk zu schenken“, erklärt Elinor Schües, die als Architektin im Hamburger Büro pmp Architekten insbesondere denkmalgeschützte Häuser saniert. Gibt es ohnehin Abdichtungsprobleme an der Außenwand, ist natürlich eine Außendämmung erste Wahl. Dafür muss das Erdreich rund um den Keller ausgehoben, die Wände müssen fachgerecht abgedichtet und gedämmt werden. Im Zuge dieser Arbeiten kann dann gegebenenfalls ein Aushub für die Montage eines Fensters vorgesehen werden. Ist eine Außendämmung nicht möglich, da beispielsweise die Garage oder eineNachbarbebauung an die Wand grenzt, besteht nur die Möglichkeit, die Wände mit einer sogenannten Horizontalsperre gegen Feuchtigkeit zu schützen sowie von innen zu dämmen. Für eine Horizontalsperre setzt der Fachmann etwa zehn Zentimeter über dem Boden einen Gürtel von Bohrlöchern, in die Dichtungsmittel gespritzt wird.

Anschließend erfolgt die Innendämmung. Diese ist „bauphysikalisch grundsätzlich schwierig: Im Inneren eines Hauses entsteht durch uns Menschen Feuchtigkeit. Diese kann durch die innenliegende Dämmung nicht nach draußen gelangen und kondensiert. Das Kondenswasser durchfeuchtet Dämmstoff und Bauteil, Schimmelbildung kann die Folge sein“, erläutert Elinor Schües. Daher müssen bei einer Innendämmung offenporige und feuchteverträgliche Materialien wie beispielsweise Kalziumsilikatplatten verbaut werden. Aber Achtung: die Wände sollten anschließend mit Silikat-Wandfarbe gestrichen werden, damit die Offenporigkeit erhalten bleibt.

Ebenfalls essenziell ist eine ausreichende Bodendämmung. Hier empfiehlt Elinor Schües im Idealfall das aufbringen von Schweißbahnen mit Verlegung einer Fußbodenheizung in den aufgebrachten Estrich. Voraussetzung für diese Vorgehensweise ist allerdings eine ausreichende Deckenhöhe. Ist diese nicht vorhanden, stellt eine sogenannte Wandtemperierung eine Alternative dar. Dabei werden Heizschlangen – wie bei einer Fußbodenheizung – in die Wände gelegt und eingeputzt. „Der Zusatznutzen dieser Lösung ist die ständige Trockenhaltung der Wand“, erklärt Elinor Schües.

Während der Verlegung sollte der Bauherr allerdings Fotos mit Vermaßung fertigen, um später ganz entspannt Bilder aufhängen zu können, ohne Gefahr zu laufen, eine wasserführende Heizschlange zu beschädigen. Eine kostengünstige alternative: herkömmliche Wandheizkörper montieren und die Heizungsrohre über dem Sockel um alle Außenwände laufen lassen. Sie geben ständig etwas Wärme an die Wand ab und sorgen für das Abtrocknen.
  

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